Zu dir kommen
Über zwei Arten des Wollens. Und was sie mit uns machen.
Im Lauf der Jahre meiner Praxis
habe ich gelernt,
meinem Wünschen und Wollen
besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
Wenn das Wollen stark ist,
ist das Leiden oft nicht weit entfernt.
Das kenne ich gut.
Mit der Zeit ist mir aber etwas anderes aufgefallen:
Es gibt auch eine Form von spirituellem Wollen.
Oder wie würdest du sonst
den Wunsch nach einem wachen, klaren, gegenwärtigen Geist nennen?
Es gibt also mehrere Arten von Wollen.
Da ist das Wollen,
etwas zu haben oder zu erreichen,
das mir im Moment fehlt.
Und da ist ein anderes Wollen:
diese Sehnsucht,
zu mir zurückzukehren.
Zu meinem wahren Selbst.
Zu dem, der ich wirklich bin.
Beides ist Wollen.
Und doch fühlt es sich völlig unterschiedlich an.
Das eine erzeugt Stress und Leid.
Das andere führt zu Loslassen,
Befreiung
und einer stillen Form von Fülle.
Kannst du spüren,
wie sich diese beiden Modi anfühlen?
Der Unterschied zwischen Verlangen
und Heimkehren?
Ist es nicht das Ziel jeder Heldenreise,
am Ende nach Hause zurückzukehren?
Im Zen wird diese Rückkehr Shikantaza genannt –
Just Sitting.
Das Ankommen im Jetzt.
Zazen wird deshalb mit Erwachen gleichgesetzt.
Nicht, weil man dadurch etwas erreicht,
sondern weil man verkörpert,
was bereits da ist.
Wahre Größe besteht nicht darin,
mehr zu werden.
Sondern darin,
mit diesem Moment
bewusst umzugehen.
Raum zu halten
für Gedanken und Gefühle,
wie sie im Bewusstsein auftauchen.
Indem du innehältst
und dich deiner Erfahrung stellst,
durchschreitest du
das torlose Tor.
Je weiter du von dir selbst entfernt bist,
desto unrunder fühlt sich dein Leben an.
Das ist es,
was mit dukkha gemeint ist.
Zu dir kommen
ist keine Leistung.
Es ist ein Erinnern.
Meine nächsten Termine
26. Februar 2026, 19.00 Uhr
Vortrag in Bern (Zentrum für Buddhismus):
”Warum ich trotzdem gut drauf bin -
Von der Kunst, auch in unsicheren Zeiten
Zuversicht und Optimismus zu bewahren”11.-15. März 2026
Sesshin in Puregg
“Wege aus dem Hamsterrad”
Alle Infos dazu findest du hier.
Du bist herzlich willkommen.
Und wenn nicht: auch gut.



Ich lese Deinen Text immer wieder! Danke!