Zen, bevor es Zen heißt
Über jemanden, der gerade einen Schatz entdeckt
Beim Sitzen in der Früh taucht zuerst ein Bild auf:
Ich stehe oder sitze – ganz bewusst –
mitten drinnen
in einem Wasserfall.
Der Wasserfall der Gedanken und Gefühle.
Ich lasse mich hier nieder.
Und komme zu mir.
Ich öffne meine Sinne.
Nehme wahr,
was da ist,
was auftaucht
und wieder vergeht.
Ich entzünde sozusagen
das Licht der Aufmerksamkeit.
Dieses Licht
eröffnet einen Raum.
Vielleicht ist das das Wertvollste,
über das wir verfügen:
Die Gabe des Bewusstseins.
Die Gabe der Aufmerksamkeit.
Wem schenkst du sie?
Was machst du mit diesem Geschenk?
Kürzlich habe ich jemanden kennengelernt.
Einen Manager.
Vater.
Mensch.
So um die 50.
Er entdeckt gerade,
dass da etwas ist,
das er bisher übersehen hat.
Er kann es noch nicht benennen,
aber er spürt es.
Es ist nicht dort,
wo es laut, schnell und hell ist.
Es zeigt sich
an unscheinbaren Orten.
Beim Zusammenlegen der Wäsche.
Beim Zusammensein mit Menschen,
für die er nichts tun kann,
außer einfach nur da zu sein.
Dinge,
die ihm früher unwichtig erschienen,
werden plötzlich
zu einer Quelle von Freude und Kraft.
Was will da entdeckt werden?
Vielleicht besteht das Kostbarste,
was wir tun können,
darin,
diese Gabe zu erkennen
und behutsam mit ihr umzugehen.
Aufmerksamkeit
als Geschenk.
Geistesgegenwart
als Selbstzweck.
Sie würdigen,
indem wir sie einfach
scheinen lassen.
Damit sie wärmen kann.
Und erhellen.
Einfach so.



Oh, ich schäme mich fast, dass ich immer wieder hier vorbeisegle, mich (ich glaube wirklich) jedes Mal getroffen, berührt fühle, jedenfalls ein Ja verspüre zu dem Klang und Inhalt der Worte - und dennoch das Kissen umschiffe, beharrlich, und mit meuternder Mannschaft weitersegle, nicht vor Anker gehe - dabei hab ich so eine Sehnsucht nach dieser Ruhe im Hafen. Was ist das?
Liebe Antje,
danke dir für diese mutige, offene Rückmeldung.
Da ist so viel Ehrlichkeit drin.
Die Sehnsucht nach dem Hafen.
Und trotzdem Weitersegeln.
Zwei Stimmen desselben Herzens.
Vielleicht ist das kein Davonlaufen,
sondern eine Form von Annäherung.
*Deine* Form der Annäherung.
Das, was im Moment für dich stimmig ist.
Nichts muss erzwungen werden.
Der Hafen ist da.
Und erwartet dich.
Auf den richtigen Moment.
Der für dich stimmt.