Mushotoku
Über dein feinstes Organ. Und deine Beziehung zur Welt
Du sitzt.
Und atmest.
Und irgendwann merkst du:
Oh. Da ist noch etwas.
Etwas, das ganz scheu ist.
Und zart.
Es drängt sich nicht auf.
Sondern wartet erst mal ab.
Es wartet: auf dich.
Darauf, dass du endlich
auf Empfang gehst.
Zuhörst.
Da bist.
Du streckst langsam einen Finger aus.
Ganz vorsichtig.
Du willst es nicht erschrecken.
Nur sanft berühren.
Und du stellst erstaunt fest:
Das, was du da zu berühren versuchst,
ist genauso scheu
wie du selbst.
Es mag das Laute,
Direkte,
Plumpe
nicht.
Es zeigt sich nur,
wenn der Abstand stimmt.
Nicht zu nah.
Nicht zu fern.
Genau so viel,
wie es in diesem Moment gerade verträgt.
Du musst lächeln.
Über dich selbst.
Vorhin hast du noch gedacht,
dass deine Empfindlichkeit,
deine Vorsicht,
deine Zurückhaltung
eine Schwäche sei.
Aber jetzt erkennst du:
Es ist dein Schatz.
Dein feinstes Organ.
Dein feines Organ,
mit dem du berühren kannst,
was sich nur dem zeigt,
das selbst behutsam ist.
Gleiches erkennt Gleiches.
Das Subtile in dir
erkennt das Subtile des Moments.
Der Buddha in dir
trifft den Buddha in mir.
Beide sind sie scheu.
Und mögen den richtigen Abstand.
Beide sind bereit, sich zu zeigen -
wenn der Raum,
die Stimmung,
die Atmosphäre
stimmt.
Und das Erstaunliche:
Das, was da berührt wird,
ist nicht fest.
Es fließt.
Ständig.
Verändert sich.
Entsteht immer wieder neu,
in dem Moment,
in dem du es berührst.
Es lässt sich nicht festhalten.
Es will
immer wieder
neu
entdeckt werden.
Mushotoku.
Ohne Absicht.
Ohne Ziel.
Nur: da sein.
Berührbar.
Empfänglich.
Offen.
Das ist
keine Technik.
Das ist
eine Qualität.
Eine Qualität des Seins.
Und der Beziehung.
Die Qualität deiner Beziehung zur Welt.
Die Qualität deiner Beziehung zum Sein.




Danke Manfred, das du deine wertvollen Beobachtungen hier mit uns teilst🙏🙏
Die Sanftheit und Achtsamkeit in deinem Text berührt mich sehr💛
Was für ein wunderschönes Bild von Menschlichen Beziehungen🙏