Neulich kamen Freude zu Besuch.
Wir gingen gemeinsam ins Kaffeehaus.
Aßen Kuchen. Unterhielten uns.
Im Lauf des Gesprächs bemerkte jemand:
“Kleine Kinder, kleine Sorgen.
Große Kinder, große Sorgen.”
Kennst du den Spruch?
Ich auch.
Trotzdem ging er mir die längste Zeit nicht mehr aus dem Kopf.
Später, im Italienischkurs, den ich gerade mache,
ist das Wort preoccuparsi aufgetaucht.
So heißt “sich Sorgen machen” auf Italienisch.
Um mir neue Vokabeln besser merken zu können,
schaue ich sie mir manchmal genauer an.
In preoccuparsi steckt vor allem das Verb »occupare«. Es bedeutet: besetzen. Vereinnahmen. Und in unserem Zusammenhang: von etwas eingenommen sein.
Man könnte also sagen:
sich Sorgen zu machen bedeutet, vor-eingenommen zu sein.
Etwas nimmt sozusagen schon Raum in deinem Geist, in deinem Denken ein,
noch bevor es tatsächlich passiert.
Oh ja. Das kenne ich.
Preoccuparsi: In meinem Geist taucht das Bild einer wilden Horde lärmender Reiter auf, die in meinem Kopf toben und so versuchen, meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Dann taucht noch ein anderer Gedanke auf:
“Wenn mein Geist gerade von diesen lärmenden Bande eingenommen wird,
was ist dann sonst noch los um mich herum?
Und: Was braucht jetzt vielleicht wirklich meine Aufmerksamkeit?”
Ich blicke auf.
Ich schaue mich um.
Staunend sehe ich es plötzlich:
Die Natur um mich herum.
Die Bäume. Die Sträucher.
Die Vögel. Die Käfer.
Der Wind, der die Blätter bewegt.
Dann muss ich lächeln.
Die Bäume, die Vögel, der Wind - sie sind alle ganz unvoreingenommen. Gänzlich unbewegt von meinen wilden Reitern. Denn die sind nur bei mir, in meinem Geist unterwegs.
Oha!
Während die Reiter im Gedankenkarussell ihre Runden drehen,
also während ich mir Sorgen mache,
geht das Leben und der Fluss der Zeit
einfach weiter.
Zwei parallele Welten.
Beide existieren gleichzeitig.
Nebeneinander.
Und da wird mir klar:
In dem Moment, wo mir bewusst wird,
was gerade in meinem Geist los ist,
kann ich mich entscheiden.
Ich kann mich dafür entscheiden,
wem ich meine Aufmerksamkeit schenken will.
In dem Moment habe ich die Wahl.
Ich kann den Modus wechseln.
Völlig unspektakulär.
Eine klitzekleine Bewegung.
Ein kurzes Aufblicken.
Sehen, was ist.
Plötzlich geht es gar nicht mehr darum,
was ich denke.
Was ich will.
Was ich befürchte.
Andere Fragen tauchen auf:
Was ist jetzt gerade?
Was will geschehen?
Was will entstehen?
Was will vergehen?
Ich bleibe noch einen Moment ganz still.
Bleibe in diesem Zwischenraum.
In der Stille.
Und obwohl ich die Antworten auf diese Fragen auch nicht kenne,
spüre ich: Dieser Zwischenraum fühlt sich gut an. Stimmig.
Hierher möchte ich zurückkehren,
wenn mir die Reiter wieder mal zu viel werden.
Meine nächsten Termine
19. September 2026
”Zazenkai” in Zürich
bei der Unsui-Gruppe in der Gasometerstrasse.7.-11. Oktober 2026
”Anfängergeist-Sesshin” in Puregg
Alle Infos dazu findest du hier.19.-25. Oktober 2026
”Zen-Sesshin” am Felsentor
Alle Infos dazu findest du hier.24.-29. November 2026
”Zen-Praxistage” am Felsentor
Alle Infos dazu findest du hier.
Du bist herzlich willkommen.
Und wenn nicht: auch gut.




Der gesunde Geist hat, nach Training diese Möglichkeit, diesen Zwischenraum selbstbestimmt zu füllen oder zu leeren. Der kranke Geist kann dies leider nicht oder nur bedingt. Daher darf man umso dankbarer sein, wenn man diese Fähigkeit hat…