Ein dicker Fisch und acht Winde
Über Wellengang und Seelenruhe
Jetzt, im Sommer, gehen Mona und ich fast jeden Morgen schwimmen. Im Bodensee.
Relativ weit raus.
Und heute früh haben wir dabei einen großen Fisch gesehen, der plötzlich direkt vor uns aus dem Wasser sprang. Mit dem ganzen Körper!
Wow, was für ein spektakulärer Anblick!
Wahrscheinlich war es ein Barsch. Oder eine Seeforelle. (Die können bis zu einem Meter lang werden.)
Nicht ganz so spektakulär, aber auch faszinierend ist es, beim Schwimmen einfach nur die Wasseroberfläche zu beobachten. Denn, du weißt ja: der See ist jeden Tag anders.
Manchmal ist der See spiegelglatt.
Dann lege ich gerne den Kopf beim Schwimmen so tief, dass meine Nasenspitze fast das Wasser berührt, und achte darauf, möglichst langsam und gleichmäßig zu atmen.
An anderen Tagen sind Wellen. Größere oder kleinere. Manchmal ganz leicht gekräuselt. Und manchmal richtig stürmisch und wild.
Die acht weltlichen Winde
Heute musste ich beim Schwimmen an ein altes buddhistisches Bild denken: die Acht weltlichen Winde. Das sind vier Begriffspaare, die beschreiben, was unseren Geist aufwühlen kann. Genau wie der Wind die Oberfläche des Sees:
Gewinn und Verlust.
Lob und Tadel.
Ehre und Verachtung.
Freude und Leid.
Ich mag dieses Bild.
Winde, die kommen, eine Weile da sind, und dann wieder gehen.
Aus wechselnder Richtung.
Immer wieder anders.
Wer weiß woher sie kommen und warum?
Und es sind nicht nur die schwierigen Dinge, die uns bewegen können. Auch die erfreulichen können das!
Du triffst den netten Nachbarn. Ihr grüßt euch. Er lächelt. Du lächelst.
Und du spürst, wie in deinem Gemüt die Sonne aufgeht. Etwas entspannt und weitet sich in dir.
Dann, etwas später. Ein aggressiver Radfahrer auf dem Radweg, dem du im Weg bist. Eine spitze Bemerkung. Eine unfreundliche Geste. Schlagartig schlägt die Stimmung um. Der Sonnenschein ist weg. Dafür der ganze Himmel voller dunkler Wolken.
Derselbe Tag. Derselbe Mensch. Aber plötzlich ein völlig anderes Wetter.
Und interessant: immer ist Wind im Spiel.
Wind. Die unsichtbare Kraft, die unseren Geist in Bewegung versetzt.
Manchmal mehr. Manchmal weniger.
Wie ist er gerade, dein Geisteszustand?
Ist er ruhig und glatt? Oder aufgewühlt? Gehen die Wogen gerade mal wieder hoch?
Und was ist es, das ihn bewegt?
Keine Wellen schlagen
Wenn das nächste Mal Wind aufkommt und die Wogen hochgehen. Wenn dir wieder mal das Wasser bis zum Hals steht, bis zur Oberkante Unterlippe: besser keine zusätzlichen Wellen schlagen!
Auch nicht davonlaufen.
Weder dem Angenehmen hinterherjagen noch vor dem Unangenehmen fliehen.
Besser: einfach dableiben. Hinschauen. Betrachten.
Ah, da sind Wellen.
Ah, aus dieser Richtung weht der Wind!
Ah, da ist Wut und Ärger.
Ah, da ist Enttäuschung.
Ah, da ist Entzücken.
Ah, da ist Freude.
Kein Festhalten. Kein Wegschieben.
Kein Aufschaukeln.
Nur bemerken, welcher Wind gerade weht.
Ja, die Oberfläche ist im Moment vielleicht gerade recht bewegt.
Aber: darunter ist Tiefe. Ruhe. Stille.
Und hin und wieder siehst du vielleicht eine Seeforelle springen.
Meine nächsten Termine
19. September 2026
”Zazenkai” in Zürich
bei der Unsui-Gruppe in der Gasometerstrasse.7.-11. Oktober 2026
”Anfängergeist-Sesshin” in Puregg
Alle Infos dazu findest du hier.19.-25. Oktober 2026
”Zen-Sesshin” am Felsentor
Alle Infos dazu findest du hier.24.-29. November 2026
”Zen-Praxistage” am Felsentor
Alle Infos dazu findest du hier.
Du bist herzlich willkommen.
Und wenn nicht: auch gut.



